Macbeth

Macbeth

von William Shakespeare

**Shakespeares kürzeste Tragödie • Sein psychologisch verheerendstes Werk**\

**Das Stück, das so verflucht ist, dass sein Name in einem Theater nicht genannt werden darf**\

**Von Orson Welles über Roman Polanski bis zur Royal Shakespeare Company — niemals von der Bühne verschwunden**

*Einem guten Mann wird gesagt, er werde König sein. Er glaubt es. Das ist der erste Fehler. Alles Folgende ist die Konsequenz.*

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**William Shakespeare** schrieb ***Macbeth*** um 1606, und es bleibt, vier Jahrhunderte später, die effizienteste Tragödie, die er je konstruiert hat. Wo *Hamlet* sich Zeit lässt, wo *König Lear* sich in kosmische Dimensionen ausweitet, bewegt sich ***Macbeth*** mit dem Schwung eines Mannes, der bergab rennt – unfähig zu stoppen, sich bewusst, wohin er geht, und dennoch beschleunigend.

**Macbeth** ist zu Beginn des Stücks kein Bösewicht. Er ist ein gefeierter General, ein loyaler Untertan, ein Mann, den sein König als „tapfer“ und „würdig“ beschreibt. Die drei Hexen in der Heide korrumpieren ihn nicht. Sie tun etwas Präziseres und Verheerenderes: Sie sagen ihm, was er bereits will, in Form einer Prophezeiung, die er nicht mehr ungehört machen kann. Von diesem Moment an wird das Stück zu einer psychologischen Studie darüber, was Ehrgeiz mit einem Menschen macht, der sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht ganz bewusst war, dass er ihn besaß.

**Lady Macbeth** liefert das, was ihrem Ehemann fehlt – nicht das Verlangen, sondern den Willen, danach zu handeln. Ihre Anrufung der Geister, sie zu „entweiben“ (unsex) und mit grausamster Grausamkeit zu füllen, ist eine der schaurigsten Reden der englischen Literatur: eine Frau, die vorsätzlich ihr eigenes Gewissen demontiert, im Dienste eines Plans, den sie mit vollkommener Klarheit als monströs begreift.

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*„Schön ist hässlich, hässlich schön.“*\

*—Die drei Hexen*

*„Ich hab die Tat getan. Hörtest du kein Geräusch?“*\

*—Macbeth, nach der Ermordung Duncans*

*„Fort, verdammter Fleck!“*\

*—Lady Macbeth, schlafwandelnd*

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Was auf den Mord an König Duncan folgt, ist nicht Triumph, sondern **Kontamination**. Macbeth hat den „Schlaf gemordet“ – die unschuldige, unbewusste Ruhe eines Mannes mit reinem Gewissen – und entdeckt, dass die Tat nicht eingegrenzt werden kann. Jeder weitere Mord ist ein Versuch, das zu sichern, was der erste Mord dauerhaft unsicher gemacht hat. Banquo muss sterben. Macduffs Familie muss sterben. Die Krone, durch Blut erlangt, verlangt nach mehr Blut, um gehalten zu werden.

Die letzten Prophezeiungen der Hexen bieten eine falsche Sicherheit, die so präzise konstruiert ist, dass sie Grausamkeit darstellt: Kein Mann, von einer Frau geboren, kann ihm schaden; er ist sicher, bis der Wald von Birnam nach Dunsinan marschiert. Macbeth hält diese Bedingungen für unmöglich. Das Stück hat von Anfang an darauf gewartet, ihm zu zeigen, was Unmöglichkeit bedeutet.

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Der Aberglaube, der das Stück umgibt, ist selbst ein kulturelles Artefakt von außergewöhnlicher Beständigkeit. Schauspieler weigern sich, seinen Namen innerhalb eines Theaters auszusprechen – es ist immer **„das schottische Stück“** – und die Tradition des Unglücks, die an seinen Inszenierungen haftet, hat sich über vier Jahrhunderte zu etwas angesammelt, das, ob geglaubt oder nicht, als eine Form des Respekts vor der Macht des Stücks fungiert.

**Orson Welles** inszenierte 1936 in Harlem eine gefeierte rein schwarze Produktion und verlegte die Handlung nach Haiti. **Roman Polanski** verfilmte es 1971 – im Jahr nach den Manson-Morden – und verlieh ihm eine so viszerale Gewalt, dass Kritiker den Film nicht von seiner Biografie trennen konnten. **Akira Kurosawa** interpretierte es als *Das Schloss im Spinnwebwald* (1957) neu und verpflanzte Macbeths Psychologie mit vernichtender Präzision in das feudale Japan. Die Royal Shakespeare Company ist in jeder Generation darauf zurückgekommen.

***Macbeth*** ist Shakespeares kürzeste Tragödie. Sie ist auch seine bedrückendste – ein Stück mit fast keiner komischen Entlastung, keiner Abschweifung, keinem Raum zum Atmen. Vom Eröffnungsgesang der Hexen bis zu Macbeths Tod bewegt es sich in einem einzigen, ununterbrochenen Abstieg.

*Die Hexen haben Macbeth nicht zum Mörder gemacht. Sie haben ihm lediglich die Tür gezeigt. Er hat sie selbst geöffnet.*

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
2026-05-05

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