Die nachgelassenen Papiere des Pickwick-Clubs (auch bekannt als Die Pickwickier) war der erste Roman des englischen Schriftstellers Charles Dickens und erschien erstmals in Fortsetzungen von März 1836 bis November 1837. Aufgrund seines Erfolges mit den 1836 veröffentlichten „Sketches by Boz“ wurde Dickens vom Verlag Chapman & Hall gebeten, Beschreibungen zu einer Serie komischer „Cockney-Sportbilder“ des Illustrators Robert Seymour zu liefern und diese zu einem Roman zu verbinden. Das Buch wurde zu einem Publikumsphänomen mit Raubkopien, Theateraufführungen, Sam-Weller-Witzbüchern und anderem Merchandise. Über seine kulturelle Wirkung schreibt Nicholas Dames in „The Atlantic“: „'Literatur' ist keine ausreichend große Kategorie für Pickwick. Er definierte seine eigene, eine neue, die wir heute 'Unterhaltung' nennen.“ Erschienen in 19 Ausgaben über 20 Monate, popularisierte der Erfolg der Pickwickier den Fortsetzungsroman und Cliffhanger-Enden. Seymours Witwe behauptete, die Idee für den Roman stamme ursprünglich von ihrem Ehemann, doch Dickens bestritt im Vorwort der Ausgabe von 1867 energisch jeglichen spezifischen Einfluss: „Herr Seymour hat niemals einen Vorfall, eine Phrase oder ein Wort, das in diesem Buch zu finden ist, erdacht oder vorgeschlagen.“
Die Pickwickier ist eine Abfolge von lose zusammenhängenden Abenteuern, die für die Veröffentlichung in einer Zeitschrift geschrieben wurden. Die Handlung spielt in den Jahren 1827–28, obwohl Kritiker einige scheinbare Anachronismen bemerkt haben. Zum Beispiel satirisierte Dickens den Fall von George Norton, der Lord Melbourne 1836 verklagte. Der Protagonist des Romans, Samuel Pickwick, Esq., ist ein gütiger und wohlhabender alter Herr, Gründer und ständiger Präsident des Pickwick-Clubs. Gelangweilt von den üblichen sportlichen Aktivitäten des Clubs schlägt er vor, dass er und drei weitere „Pickwickier“ Reisen an fern von London gelegene Orte unternehmen und Berichte über ihre Erlebnisse verfassen sollen. Ihre Reisen mit der Postkutsche durch die englische Provinz bilden das Hauptthema des Romans. Ein romantisches Missverständnis mit seiner Vermieterin, der Witwe Mrs. Bardell, führt zu einem der berühmtesten Gerichtsprozesse der englischen Literatur, Bardell gegen Pickwick, der dazu führt, dass beide wegen Schulden im Fleet-Gefängnis inhaftiert werden.
Dickens arbeitete im Alter von 24 Jahren als Parlamentsreporter und reisender Journalist und hatte unter dem Pseudonym „Boz“ eine Sammlung von Skizzen über das Londoner Leben veröffentlicht. Der Verlag Chapman & Hall plante eine Serie von „Cockney-Sportbildern“ des Illustrators Robert Seymour. Es sollte ein Club sein, dessen Mitglieder auf Jagd- und Angelausflüge aufs Land geschickt wurden. Ihre Gewehre sollten losgehen, Fischhaken sich in Hüten und Hosen verfangen, und diese und andere Missgeschicke sollten in Seymours komischen Tafeln dargestellt werden. Sie baten Dickens, die notwendigen Beschreibungen zu liefern, um die Bilder zu erklären und sie zu einer Art Bilderroman zu verbinden, wie er damals in Mode war. Er protestierte, dass er nichts vom Sport verstehe, akzeptierte den Auftrag aber dennoch.
Die Abenteuer des wohlhabenden und gutmütigen Mr. Pickwick beginnen mit der Gründung des Pickwick-Clubs. Gemeinsam mit seinen treuen Weggefährten bricht er zu einer Reise durch das England des 19. Jahrhunderts auf, um die menschliche Natur zu erforschen. Schon bald treffen die Reisenden auf den gerissenen Hochstapler Alfred Jingle, der durch sein betrügerisches Auftreten immer wieder für Turbulenzen sorgt. Jingle verleitet unter anderem Rachael Wardle zur Flucht und kann nur durch eine Bestechung davon abgehalten werden, eine unüberlegte Ehe einzugehen. Mr. Pickwick und sein scharfsinniger, ihm aufrichtig ergebener Diener Sam Weller heften sich an Jingles Fersen und entlarven den Schwindler schließlich vor den Behörden. Das Leben von Mr. Pickwick nimmt jedoch eine dramatische Wendung durch ein Missverständnis mit seiner Vermieterin, Mrs. Bardell. Diese deutet eine unbedachte Äußerung fälschlicherweise als Heiratsantrag. Die gerissenen und habgierigen Anwälte Dodson und Fogg nutzen die Situation aus und stacheln Mrs. Bardell zu einer Klage wegen Gebrochenen Treueversprechens an. Es kommt zu einem Aufsehen erregenden Prozess. Trotz der feurigen Verteidigungsversuche und der Unterstützung durch Sam Weller gelingt es den gegnerischen Anwälten durch manipulative Rhetorik, das Gericht zu täuschen. Mr. Pickwick wird zu einer hohen Schadensersatzzahlung verurteilt. Aus Prinzip und Entrüstung über das ungerechte Urteil weigert er sich strikt, auch nur einen einzigen Penny zu zahlen, und entscheidet sich stattdessen lieber für den Gang ins Gefängnis. Im Schuldgefängnis Fleet Prison erlebt Mr. Pickwick die düstere Realität der Armut und das Leid der Inhaftierten. Seine Treue kennt keine Grenzen: Sam Weller provoziert absichtlich seine eigene Festnahme, um seinem Herrn auch hinter Gittern beistehen zu können. In der Düsterkeit der Haft trifft Pickwick überraschend auf seinen früheren Widersacher Alfred Jingle und dessen Kumpan Job Trotter, die völlig verarmt sind. Anstatt Groll zu hegen, zeigt sich Pickwick von seiner edelmütigen Seite und greift den reuigen Sündern finanziell unter die Arme. Die Ironie des Schicksals erreicht ihren Höhepunkt, als Mrs. Bardell selbst von ihren eigenen, skrupellosen Anwälten wegen unbezahlter Honorare in dasselbe Gefängnis geworfen wird. Erst als sie eingesteht, dass die Klage ein Fehler war, und von allen Ansprüchen zurücktritt, willigt Pickwick ein, die Gerichtsgebühren zu begleichen, um sowohl sich als auch Mrs. Bardell die Freiheit zu schenken. Nach seiner Entlassung widmet sich Mr. Pickwick ganz dem Glück seiner Freunde. Er hilft dem jungen Mr. Winkle, die Wogen mit dessen Familie zu glätten und die Ehe mit der geliebten Arabella Allen durchzusetzen. Auch für die Zukunft der Läuterungsfähigen sorgt er: Er finanziert Alfred Jingle und Job Trotter einen Neuanfang in Westindien. Sam Weller verliert unterdessen seine Stiefmutter, vertreibt den scheinheiligen Mr. Stiggins und regelt das Erbe seines Vaters. Aus tiefer Dankbarkeit und Verbundenheit schlägt Sam ein Angebot ab, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Er entscheidet sich dafür, für immer an der Seite Mr. Pickwicks zu bleiben, während seine Verlobte Mary geduldig auf ihn wartet. Nach der Lösung aller romantischen und familiären Verwicklungen zieht sich Mr. Pickwick als geachteter und wohlwollender Beschützer im Kreise seiner liebsten Freunde ins Privatleben zurück.
„Solch ein engstirniger Blickwinkel“, dachte Mr. Pickwick, „ist das Merkmal jener Philosophen, die sich damit begnügen, die Dinge direkt vor ihren Augen zu betrachten, ohne den Blick auf die Wahrheiten zu richten, die im Verborgenen liegen. Ebensogut könnte ich mich damit zufriedengeben, auf ewig auf die Goswell Street zu stieren, ohne auch nur den Versuch zu unternemen, in die verzauberten, verborgenen Länder vorzudringen, von denen sie von allen Seiten umgeben ist.Originaltext: "Such," thought Mr. Pickwick, "are the narrow views of those philosophers who, content with examining the things that lie before them, look not to the truths which are hidden beyond. As well might I be content to gaze on Goswell Street for ever, without one effort to penetrate to the hidden countries which on every side surround it."Die Pickwickier Chapter II. Dies ist die fundamentale philosophische Prämisse der Hauptfigur: Sie veranschaulicht Pickwicks naive, aber unerschütterliche Neugier und seinen Drang, die Welt über den eigenen Horizont hinaus zu erforschen.
„Meine Herren, was hat das zu bedeuten? Koteletts und Tomatensauce. Ihr Pickwick! Koteletts! Barmherziger Himmel! Und Tomatensauce! Meine Herren, darf das Glück einer feinfühligen und vertrauensvollen Frau durch solch seichte Kniffe aufs Spiel gesetzt werden?Originaltext: Gentlemen, what does this mean? Chops and tomato sauce. Yours, Pickwick! Chops! Gracious heavens! and tomato sauce! Gentlemen, is the happiness of a sensitive and confiding female to be trifled away, by such shallow artifices as these?Die Pickwickier Chapter XXXIV. Diese Passage ist der Höhepunkt der juristischen Satire im Roman, in der eine völlig alltägliche Mahlzeit durch rhetorische Verdrehung zu einem vermeintlichen Beweis für ein gebrochenes Eheversprechen aufgeblasen wird.
„Und ein Vogelkäfig, Sir“, sagte Sam. „Räder innerhalb von Rädern, ein Gefängnis im Gefängnis. Nicht wahr, Sir?Originaltext: "And a bird-cage, sir," says Sam. "Veels vithin veels, a prison in a prison. Ain't it, Sir?"Die Pickwickier Chapter XL. Sam Wellers prägnante Beobachtung fängt die beklemmende Atmosphäre des Schuldgefängnisses bildhaft ein und zeigt Dickens’ Talent, gesellschaftliche Abgründe mit sprachlicher Metaphorik auf den Punkt zu bringen.
„Und wenn es noch vierzig Jahre dauert, ich bleibe ein Gefangener, und das ist mir herzlich recht; und wenn es das Newgate-Gefängnis gewesen wäre, wäre es genau dasselbe gewesen. Nun ist die Katze aus dem Sack, und, verdammt noch mal, damit hat die Sache ein Ende!Originaltext: "If it's forty years to come, I shall be a prisoner, and I'm very glad on it; and if it had been Newgate, it would ha' been just the same. Now the murder's out, and, damme, there's an end on it!"Die Pickwickier Chapter XLIII. Diese Erklärung offenbart die tief empfundene, humorvolle Loyalität Sams zu Pickwick und markiert einen der emotionalsten Wendepunkte in der Entwicklung ihrer Beziehung.
Die bekannten Verfilmungen von The Pickwick Papers sind derzeit bei keinem der großen deutschen Streaming-Anbieter im Abo oder als Flatrate enthalten. Weder Netflix, Amazon Prime Video noch Apple TV haben die klassischen BBC-Adaptionen momentan im festen Programm. Gelegentlich sind digitale Kauf- oder Mietversionen über spezialisierte Filmportale verfügbar, oder die Verfilmungen werden auf physischen Medien wie DVD angeboten. Die Verfügbarkeit auf digitalen Plattformen ändert sich jedoch fortlaufend. Statt nach wechselnden Videostreams zu suchen, bietet es sich an, das zeitlose Original direkt hier aufzuschlagen. Die geschriebenen Zeilen von Charles Dickens entfalten eine visuelle Kraft, eine sprachliche Eleganz und einen feinsinnigen Humor, die von keiner Filmfassung vollständig erreicht werden können.
The Pickwick Papers ist der erste Roman von Charles Dickens und einer der bedeutendsten humoristischen Romane der englischen Literaturgeschichte. Das Werk erzählt in epizodischer Form die Erlebnisse einer Gruppe von Gentlemen, die durch die englische Provinz reisen, um Land und Leute zu studieren. Es verbindet gesellschaftskritische Satire, pikareske Abenteuer und tiefe menschliche Wärme. Das Buch wurde bei seinem Erscheinen ab 1836 zu einem beispiellosen Erfolg und prägte die Moderne Literatur nachhaltig.
Dieses Werk ist ein absoluter Klassiker der Weltliteratur, dessen Lektüre sich auch heute noch in jeder Hinsicht lohnt. Dickens gelingt eine brillante Mischung aus spritzigem Wortwitz, unvergesslichen Charakteren und messerscharfer Beobachtungsgabe. Der Roman gewährt nicht nur einen faszinierenden Einblick in das historische England, sondern berührt durch zeitlose Themen wie Loyalität, Nächstenliebe und Humanität. Wer humorvolle Erzählungen mit viel Herz und sprachlicher Meisterschaft schätzt, wird von diesem Buch reich belohnt.
Charles Dickens schrieb den Roman in den Jahren 1836 und 1837, als er als junger Journalist in London tätig war. Das Werk erschien ursprünglich in monatlichen Fortsetzungsheften. Die Handlung selbst ist in den Jahren 1827 und 1828 angesiedelt. Als Schauplätze dienen London sowie verschiedene Städte, Dörfer, Landgasthöfe und Postkutschenstraßen der englischen Provinz, die das gesellschaftliche Leben der damaligen Zeit anschaulich widerspiegeln.
Das Finale führt alle Handlungsstränge, Missverständnisse und Prüfungen der Figuren auf eine Weise zusammen, die das Wesen aller Beteiligten auf die Probe stellt. Was sich in den Räumen des Gerichtssaals und hinter den dichten Mauern des Gefängnisses aufstaut, entlädt sich in einer Abfolge von Entscheidungen über Ehre, Vergebung und die Zukunft der Gefährten. Welche Wendung das Schicksal für Mr. Pickwick und seinen treuen Sam Weller bereithält und wie sich die offenen Herzensangelegenheiten ordnen, entfaltet seine volle Wirkung erst im geschriebenen Wort. Lesen Sie diese letzten Kapitel selbst, um die Auflösung dieses großen Romans zu erleben.
Sam Weller ist der redegewandte, schlagfertige Diener von Mr. Pickwick, dessen Einführung in das Werk den enormen Erfolg des Romans begründete. Mit seiner pragmatischen Lebensweisheit, seinen berühmten humorvollen Vergleichen und seiner tiefen Loyalität fungiert er als schützendes Gegenstück zum naiven Mr. Pickwick. Seine Figur bringt den unverfälschten Humor der Londoner Arbeiterschicht in die Geschichte ein und verändere die Dynamik der gesamten Handlung nachhaltig.
Miva, die nächste Art zu lesen nach dem Hörbuch
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