Das Enchiridion, hier als Ἐγχειρίδιον erhalten, ist eines der Werke, durch die die antike griechische Literatur und das Denken weiterhin zu späteren Jahrhunderten sprechen. Ein kompaktes stoisches Handbuch unterscheidet das, was von uns abhängt, von dem, was nicht von uns abhängt, und verwandelt Philosophie in eine disziplinierte tägliche Praxis.
Das Enchiridion ist als kurzes Handbuch stoischer ethischer Ratschläge bekannt, das von Arrian, einem Schüler Epiktets, zusammengestellt wurde. Obwohl der Inhalt des Enchiridion im Wesentlichen aus den „Diskursen“ (Diatribai) Epiktets stammt, stellt es keine bloße Zusammenfassung dar, sondern eine Sammlung praktischer Lebensratschläge. Arrian verzichtet auf Metaphysik und konzentriert sich auf die Anwendung der Philosophie im Alltag. So ist das Buch ein Leitfaden zur Erlangung geistiger Freiheit und Glückseligkeit unter allen Umständen.
In der Antike weit verbreitet, nutzten griechischsprachige Klöster im Mittelalter eine adaptierte Version. Im 15. Jahrhundert wurde es ins Lateinische und später in viele europäische Sprachen übersetzt. Seinen Höhepunkt erreichte seine Popularität im 17. Jahrhundert mit der Bewegung des Neostoizismus.
Das Wort „Enchiridion“ bedeutet im Altgriechischen etwas, das „in der Hand“ liegt oder griffbereit ist. Es leitet sich von „en“ (in) und „cheir“ (Hand) ab. Das Wort bedeutet auch Schwert oder Dolch – eine Bedeutung, die im Neugriechischen ähnlich bleibt.
Das Werk besteht aus 53 kurzen Kapiteln und entstand zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. Der Philosoph Simplikios erwähnt im 6. Jahrhundert einen Brief Arrians, in dem dieser erklärt, die nützlichsten und bewegendsten Passagen aus Epiktets Diskursen ausgewählt zu haben. Etwa die Hälfte des Materials lässt sich direkt auf die vier erhaltenen Bücher der Diskurse zurückführen, wobei Arrian die Texte oft modifizierte oder Gedanken neu formulierte.
Einige Kapitel werfen Fragen auf: Kapitel 29 ist fast wortwörtlich eine Kopie aus Buch 15 der Diskurse und fehlte in frühen christlichen Ausgaben sowie im Kommentar von Simplikios, was darauf hindeutet, dass es nicht zum Originaltext gehörte. Kapitel 33 enthält eine Liste moralischer Anweisungen, die nicht offensichtlich in den üblichen stoischen Rahmen Epiktets passen.
Die heute übliche Einteilung in 53 Kapitel geht auf Johann Schweighäuser (1798) zurück. Gerard Boter behielt diese Einteilung in seiner kritischen Ausgabe von 1999 bei, unterteilte jedoch einige Kapitel weiter.
Das Enchiridion nähert sich der Philosophie stufenweise an. Die Lektüre im Original bringt den Leser näher an den Rhythmus, das Bild und den dramatischen Nachdruck, den Übersetzungen zwangsläufig interpretieren müssen. Es bleibt ein lebendiger Bezugspunkt für Autoren, Philosophen und Historiker, die sich heute ähnlichen Fragen stellen.
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