Dieser Roman kursierte ursprünglich in Manuskriptform und war damals meist als „Die Geschichte vom Stein“ (Shitou Ji) bekannt. Zu den im Buch erwähnten Alternativtiteln gehören auch „Aufzeichnungen des leidenschaftlichen Mönchs“, „Das Schicksal von Gold und Jade“, „Der kostbare Spiegel der Romantik“ und „Die zwölf Schönheiten von Jinling“. Die Einleitung erzählt von einem Stein, der übrig blieb, als die Göttin Nüwa den Himmel flickte. Dieser Stein verwandelte sich in eine kostbare Jade und begleitete den Diener Shenying in die Welt der Sterblichen, daher der Name „Die Geschichte vom Stein“. Erst nach der ersten Veröffentlichung im beweglichen Letterndruck im Jahr 1791 ersetzte „Der Traum der Roten Kammer“ die anderen Namen und wurde zum gebräuchlichsten Titel.
**Rätsel um Versionen und Entstehung**
Die erhaltenen Versionen des Romans werden hauptsächlich in zwei Systeme unterteilt:
1. **Zhi-System:** Manuskripte mit zahlreichen Kommentaren von „Zhiyanzhai“ und anderen. Die meisten enthalten nur die ersten 80 Kapitel und gelten als dem Originalentwurf des Autors am nächsten.
2. **Cheng-Gao-System:** Die 120-kapitelige Ausgabe, die 1791 und 1792 von Cheng Weiyuan und Gao E herausgegeben und im Holzletternverfahren gedruckt wurde.
Über die Herkunft der letzten 40 Kapitel wird in der „Rotologie“ (Hongxue) bis heute gestritten. Gelehrte wie Hu Shih und Lu Xun glaubten, die letzten 40 Kapitel seien eine Fortsetzung von Gao E oder einem anonymen Autor. Schriftsteller wie Lin Yutang und Pai Hsien-yung neigen hingegen zu der Ansicht, dass die letzten 40 Kapitel Fragmente von Cao Xueqin enthalten, die von Cheng und Gao überarbeitet wurden. Obwohl die literarische Qualität hinter den ersten 80 Kapiteln zurückbleibt, bleibt ihr Erfolg unbestreitbar, da das tragische Ende den traditionellen Aberglauben an ein Happy End in Romanen brach.
**Themen und der Garten der Großen Aussicht**
Der Roman dreht sich um den Aufstieg und Fall der vier großen Familien Jia, Shi, Wang und Xue. Durch die Tragödie der Liebe und Ehe zwischen Jia Baoyu, Lin Daiyu und Xue Baochai werden die sozialen Verhältnisse und die Komplexität der menschlichen Natur in der feudalen Gesellschaft dargestellt.
Der Autor schuf zwei gegensätzliche Welten: die schmutzige Realität außerhalb des Gartens der Großen Aussicht und das reine Ideal im Inneren. Der Garten ist ein Zufluchtsort für junge Frauen und Ausdruck der Sehnsucht des Schöpfers nach Reinheit. Doch im Laufe der Geschichte zerstören die korrupten Kräfte der Außenwelt dieses Ideal, was schließlich zu einer unvermeidlichen, tragischen Desillusionierung führt.
**Kernfiguren und die Kunst der Namensgebung**
Das Buch umfasst über 700 Charaktere, wobei der Protagonist Jia Baoyu im Mittelpunkt steht. Die Schicksale der „Zwölf Schönheiten von Jinling“ (adelige Frauen und Dienerinnen) sind eng miteinander verwoben.
- **Jia Baoyu:** Er verachtet weltlichen Ruhm und das Prüfungswesen. Er strebt nach geistiger und ästhetischer Freiheit.
- **Lin Daiyu:** Stolz, talentiert und hochsensibel. Sie verbindet eine Seelenverwandtschaft mit Baoyu (das Bündnis von Stein und Holz), die reine Spiritualität symbolisiert.
- **Xue Baochai:** Besonnen, gebildet und angepasst. Ihre Verbindung mit Baoyu (die Ehe von Gold und Jade) symbolisiert das weltlich anerkannte Ideal.
Zudem nutzt das Buch häufig Homophone bei Namen. So deutet „Yuan-Ying-Tan-Xi“ auf „Ursprünglich sollte man seufzen“ hin, während „Zhen Shiyin“ und „Jia Yucun“ für „Wahre Begebenheiten verborgen, falsche Worte bewahrt“ stehen.
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