Die Frau im Papier auf einer Zugreise – Ranpos schönste und bizarrste Fantasie über eine verbotene Liebe
„Der Mann mit dem Stoffbild“ (Oshie to Tabisuru Otoko) beginnt mit einer zufälligen Begegnung auf einer Reise und entfaltet schrittweise eine seltsame Geschichte über Bilder, das Starren, Sehnsucht und Anderswelten. Die Figuren im Stoffbild (Oshie) sind nicht mehr bloß flache Kunst, sondern wirken wie konserviertes Leben; die Beziehung zwischen dem Reisenden und dem Bild verwandelt Liebe in eine Besessenheit, die die Grenzen zwischen Medium und Realität überschreitet.
Edogawa Ranpo ist einerseits der Vater des japanischen Detektivromans und andererseits ein Meister des Makabren und Fantastischen. Er reagierte besonders sensibel auf Spiegelbilder, verschlossene Räume, bizarre Romanzen, den menschlichen Körper und den Mechanismus des Sehens und verwandelte die Unterhaltungstechnik der modernen Stadt oft in Apparate des Terrors und des Begehrens. Dieses Werk jagt nicht wie ein klassischer Krimi einer Lösung hinterher, sondern zeigt, wie Ranpo aus dem „Sehen“ selbst ein Labyrinth erschafft.
Zieht man Vergleiche zu modernen Werken, lässt sich „Der Mann mit dem Stoffbild“ mit jener Ebene vergleichen, die sich in Haruki Murakamis Romanen öffnet, wenn die Realität Risse bekommt, oder mit der Art und Weise, wie sich Bilder, Erinnerung und Identität in den Filmen von Satoshi Kon überschneiden. Es ist ein hervorragender, ästhetisch ansprechender Einstieg in Ranpos unheimliche Welt.
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