Handlung:
An einem strahlenden Junimorgen begibt sich Clarissa Dalloway in die Londoner Innenstadt, um Blumen für die Gesellschaft zu kaufen, die sie am Abend gibt. Während sie die Stadt durchquert, kehren alte Entscheidungen zurück: Peter Walsh, das Leben, das sie hätte führen können, und die Distanz innerhalb ihrer Ehe. An anderer Stelle kämpft Septimus Warren Smith, ein vom Ersten Weltkrieg gezeichneter Veteran, darum, gehört zu werden. Ihre Wege kreuzen sich nie wirklich, und doch verbindet ein einziger Tag ihre privaten Welten.
Lese-Highlights:
Woolf verwandelt einen gewöhnlichen Tag in eine Landkarte des Bewusstseins. Gedanken fließen von einer Person zur anderen durch Straßen, Glockengeläut, Erinnerungen und zufällige Beobachtungen; die Zeit wird sowohl durch den Big Ben als auch durch die plötzlichen Sprünge des Geistes in die Vergangenheit gemessen. Belohnt wird man nicht durch eine konventionelle Handlung, sondern durch das Gefühl, eine überfüllte Stadt zu betreten, in der jedes Leben eine verborgene Geschichte birgt.
Regie: Marleen Gorris; USA, Großbritannien und die Niederlande; mit Vanessa Redgrave, Natascha McElhone und Michael Kitchen in den Hauptrollen. Dieser Spielfilm verleiht Woolfs nach innen gerichtetem Roman durch schauspielerische Leistung, Voice-over und Erinnerungsszenen eine sichtbare dramatische Form.
Unterschiede zum Buch:
Der Roman bewegt sich fließend und ohne Kapitelpausen zwischen vielen Bewusstseinsebenen; der Film muss Erinnerungen und innere Reflexionen durch gesprochene Worte, Rückblenden und eine klarere visuelle Chronologie vermitteln.
Die Wahl der richtigen Ausgabe:
Der Roman ist ein kontinuierlicher Text, daher bewahren Ausgaben, die die ursprüngliche Absatzgestaltung und Zeichensetzung beibehalten, Woolfs Rhythmus am besten. Erstleser begrüßen unter Umständen Anmerkungen zum London der Nachkriegszeit, zum Kriegstrauma (Shell Shock) und zu wiederkehrenden Namen, sollten jedoch Adaptionen meiden, die als der eigentliche Roman ausgegeben werden. Eine gute Übersetzung muss den Wechsel der Standpunkte und den Satzrhythmus bewahren, anstatt nur die Ereignisse des Tages wiederzugeben.
Virginia Woolf veröffentlichte Mrs. Dalloway 1925 während der zentralen Phase ihrer modernistischen Experimente. Sie führte Material zusammen, das sie bereits in kürzeren Erzählungen erkundet hatte, und gab die konventionelle Abfolge von Kapiteln zugunsten eines einzelnen Tages auf, der durch Erinnerungen und ein wechselndes Bewusstsein geformt wird. Das Ergebnis verbindet ihre formalen Innovationen mit Themen, die sich durch ihr gesamtes Werk ziehen: Zeit, Geschlecht, soziale Selbstdarstellung, psychisches Leid und die zerbrechliche Grenze zwischen getrennten Leben.
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