Akutagawa Ryūnosukes 1927 in der Zeitschrift „Kaizō“ veröffentlichter Roman „Kappa“ ist eine außergewöhnliche satirische Erzählung, die sich der Perspektive eines Patienten in einer Nervenheilanstalt bedient, um die menschliche Gesellschaft auf scharfsinnige Weise zu demaskieren. Das „Land der Kappa“, in das der Protagonist bei einer Verfolgungsjagd im Hotaka-Gebirge gerät, ist eine Spiegelwelt, in der die Logik der menschlichen Gesellschaft völlig auf den Kopf gestellt wird: Weibchen jagen Männchen, ungeborene Föten werden gefragt, ob sie überhaupt geboren werden wollen, Ehen zwischen „unvorteilhaften“ Partnern werden gefördert, und arbeitslose Arbeiter werden per Gas eingeschläfert und als Fleisch verzehrt. Versehen mit dem Untertitel „Bitte sprechen Sie es als Kappa aus“, wurde dieses Werk nur wenige Monate vor Akutagawas Tod verfasst. Sein Todestag am 24. Juli wird seither als „Kappa-Gedenktag“ bezeichnet, was die Bedeutung dieses Spätwerks unterstreicht.
Die im Buch enthaltene Maxime des Philosophen Magg – „Ein Narr hält die anderen immer für Narren“ – bringt die Haltung des gesamten Werkes auf den Punkt: den Blick auf die Heuchelei der menschlichen Gesellschaft durch das Prisma des Kappa-Reiches. Das Ende, in dem der in die Menschenwelt zurückgekehrte Protagonist auf die Kappa zurückblickt und sie als reinere Wesen als die Menschen herbeisehnt, lässt die Melancholie und Einsamkeit spüren, die hinter der beißenden Satire verborgen liegen.
Aufgrund seiner thematischen Breite wird „Kappa“ oft in einem Atemzug mit Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“, H.G. Wells' „Die Zeitmaschine“ oder Lu Xuns „Tagebuch eines Verrückten“ genannt und in die literarische Tradition eingeordnet, die die Anderswelt als Spiegel zur Gesellschaftskritik nutzt. Das Werk wurde vielfach adaptiert, darunter eine Verfilmung im Jahr 2006 unter der Regie von Masatoshi Akihara mit Atsushi Yanaka in der Hauptrolle sowie eine Bühnenadaption von Katsuhide Suzuki im Jahr 2021, die die Handlung in eine futuristische Besserungsanstalt verlegt.
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