Natsume Sōsekis Debütroman „Ich bin eine Katze“, der 1905 in der Zeitschrift „Hototogisu“ erschien, beginnt mit dem berühmten Satz: „Ich bin eine Katze. Einen Namen habe ich noch nicht.“ Aus der Perspektive einer namenlosen Katze, die im Haus des Englischlehrers Kushami Chinno lebt, beobachtet das Tier die Worte und Taten der „müßigen Intellektuellen“ wie Meitei, Kangetsu, Tōfu und Dokusen. Mit scharfem Verstand, aber auch einer gewissen Liebenswürdigkeit, verspottet die Katze die menschliche Torheit, Lächerlichkeit und Hässlichkeit. Ursprünglich als einmalige Kurzgeschichte geplant und im Literaturkreis „Sankai“ von Takahama Kyoshi mit großem Erfolg vorgelesen, entwickelte sich das Werk zu einer Fortsetzungsgeschichte über elf Kapitel. Die Resonanz war so gewaltig, dass sie „Hototogisu“ von einem reinen Haiku-Magazin zu einem führenden Literaturmagazin aufwertete.
Die Erzählung hat kaum eine lineare Handlung und steht in der Tradition der europäischen „Abschweifungsliteratur“ der frühen Neuzeit, etwa in der Nachfolge von Sternes „Tristram Shandy“ oder Swift. Die durch die Katzenaugen vermittelten Tiraden gegen den Materialismus, die hohlen Debatten der Intellektuellen sowie Abhandlungen über Ehe und Frauen sind das Ergebnis einer einzigartigen Mischung aus Sōsekis tiefem Pessimismus und seinem Sinn für Komik. Tatsächlich diente eine namenlose schwarze Katze, die sich kurz vor Beginn der Niederschrift im Hause Natsume niedergelassen hatte, als direktes Modell. Als diese Katze 1908 starb, verschickte Sōseki sogar „Todesanzeigen für die Katze“ an Freunde und beschrieb ihr Ende in dem Essay „Das Grab der Katze“.
Die Spuren, die dieses Werk in der japanischen Kultur hinterlassen hat, sind unermesslich. Unmittelbar nach der Veröffentlichung erschienen zahlreiche Parodien wie „Ich bin eine Ratte“ oder „Ich bin ein kleiner Junge“. Sogar der junge Yukio Mishima schrieb ein humoristisches Stück mit dem Titel „Ich bin eine Ameise“. Neben Verfilmungen in den Jahren 1936 und 1975 sorgte die NHK-Dramatisierung von 1963 mit einer Starbesetzung für Aufsehen. 1982 wurde zudem eine Anime-Adaption produziert. Kritiker loben, dass Sōseki hier mit einer ungezwungenen Freiheit seine Visionen entfaltete. Sein Stil, in dem sich Haikai-Ästhetik und englischer literarischer Humor vermischen, nimmt in der modernen japanischen Literatur eine beispiellose Sonderstellung ein.
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