Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

von Jules Verne

Die Handlung: Ein Abstieg in die Tiefe

Der kryptische Aufhänger

Das Abenteuer beginnt im Mai 1863 in Hamburg. Der exzentrische Professor Otto Lidenbrock entdeckt ein kodiertes Runenmanuskript des Alchemisten Arne Saknussemm aus dem 16. Jahrhundert. Nachdem Axel, der Neffe des Professors, versehentlich den Code entschlüsselt (der im Wesentlichen besagt: „Gehe nach Island, springe in einen Vulkan, finde das Zentrum der Welt“), schleift Lidenbrock den widerstrebenden jungen Mann sofort mit auf die Reise seines Lebens.

Die unterirdische Odyssee

In Island angekommen, heuern sie Hans Bjelke, einen stoischen Eiderentenjäger, als Führer an. Das Trio steigt in den Krater des erloschenen Vulkans Snæfellsjökull hinab. Ihre Reise ist alles andere als reibungslos:

Die Wasserkrise: Nach einer falschen Abzweigung sterben sie fast vor Durst und werden erst gerettet, als Hans einen unterirdischen Fluss (den „Hansbach“) anzapft.

Das Lidenbrock-Meer: Sie entdecken einen riesigen unterirdischen Ozean, der durch leuchtendes Gas erhellt wird. Während sie ihn auf einem Floß überqueren, werden sie Zeugen eines furchterregenden Kampfes zwischen einem Plesiosaurier und einem Ichthyosaurier.

Wiedergeburt der Urzeit: Sie stoßen auf einen Wald aus Riesenpilzen und Vegetation aus dem Tertiär. Am schockierendsten ist die Sichtung eines zwölf Fuß hohen prähistorischen Humanoiden, der eine Herde Mastodons hütet.

Der explosive Ausgang

Als sie ihren Weg durch einen Einsturz blockiert finden, versuchen sie, sich mit Schießbaumwolle den Weg freizusprengen. Die Explosion öffnet einen bodenlosen Abgrund, der das Meer – und ihr Floß – in die Tiefe saugt. Schließlich werden sie von einem aufsteigenden Vulkanschlot erfasst und durch einen Ausbruch des Stromboli in Sizilien zurück an die Oberfläche geschleudert. Sie kehren als Helden nach Hamburg zurück, nachdem sie durch den Planeten und die Zeit selbst gereist sind.

Die Charaktere: Eine Studie der Kontraste

Professor Otto Lidenbrock: Ein „mürrischer und unangenehmer“ Universalgelehrter. Er ist ein Wirbelsturm aus wissenschaftlicher Leidenschaft und Ungeduld. Interessanterweise wird angenommen, dass er eine Parodie auf Vernes eigenen Vater, Pierre, ist.

Axel: Der Erzähler und Lidenbrocks Neffe. Er ist die Stimme der Vorsicht und des gesunden Menschenverstandes und fungiert als „widerwilliger Held“, der lieber zu Hause bei seiner Verlobten wäre, als gegen prähistorische Fische zu kämpfen.

Hans Bjelke: Das stille, unerschütterliche Rückgrat der Gruppe. Sein Stoizismus und sein Einfallsreichtum sind der einzige Grund, warum die beiden Deutschen die Wanderung überleben.

Gräuben: Axels Liebste und Lidenbrocks Patentochter, die Axel ermutigt, die Reise trotz seiner Ängste anzutreten.

Die Wissenschaft: Fakten vs. viktorianische Fiktion

Verne war bekannt für seinen „gut recherchierten“ Ansatz, obwohl ein Großteil der Wissenschaft in der „Reise“ (verständlicherweise) widerlegt wurde:

Geochemie: Lidenbrocks Theorie, dass der Erdkern nicht geschmolzen ist, basierte auf Humphry Davys Oxidationstheorie. Wir wissen heute, dass der Kern sehr wohl heiß ist, aber für Verne war dies ein notwendiges „wissenschaftliches“ Schlupfloch, um seine Charaktere die Hitze überleben zu lassen.

Geologische Inspiration: Vernes Reise nach Schottland im Jahr 1859 (insbesondere Arthur’s Seat in Edinburgh) beeinflusste seine Beschreibungen vulkanischer Merkmale tiefgreifend.

Paläontologie: Verne nutzte Louis Figuiers „Die Erde vor der Sündflut“ (1863) als Primärquelle für seine prähistorischen Kreaturen.

Veröffentlichung und die „verlorenen“ Übersetzungen

Die Editionsgeschichte der „Reise“ ist fast so chaotisch wie die Handlung selbst:

Die erweiterte Ausgabe: Die Überarbeitung von 1867 fügte zwei Kapitel hinzu, die sich speziell auf das Quartär und die lebenden Mastodons konzentrierten und die Besessenheit der Mitte der 1860er Jahre für die Urzeit widerspiegelten.

Das „Hardwigg“-Chaos: Frühe englische Übersetzungen (1871) waren notorisch ungetreu. Eine Version benannte Lidenbrock willkürlich in „Professor Hardwigg“, Axel in „Harry“ und Gräuben in „Gretchen“ um, während ganze Absätze umgeschrieben wurden.

Der Rechtsstreit: Verne wurde 1877 von Léon Delmas wegen Plagiats verklagt, der behauptete, Verne habe die Idee mit dem „verlorenen Runendokument“ gestohlen. Verne gewann den Prozess, da das Gericht keinen Beweis für einen Diebstahl fand.

Kulturelles Erbe und Adaptionen

Vernes unterirdische Welt wurde zum Blaupause für das Subgenre der „Verlorenen Welten“ und inspirierte alles von Arthur Conan Doyle bis hin zu Tolkiens „Der Hobbit“.

Kino:

1959: Der klassische James-Mason-Film, der den Anfang nach Edinburgh verlegte.

2008: Die 3D-Version mit Brendan Fraser, die das Buch als „Meta“-Auslöser einrahmte.

Musik: Rick Wakemans Konzeptalbum „Journey to the Centre of the Earth“ von 1974 ist vielleicht der berühmteste musikalische Tribut, der die Geschichte mit Erzählung und Rock neu erzählt.

Globale Reichweite: Die Geschichte wurde in alles adaptiert, von japanischen Filmen mit Samurai-Thematik bis hin zu Umsetzungen in China und Indien, die die Geschichte in einheimische Schauplätze versetzten, was die universelle Anziehungskraft des „Abstiegs ins Ungewisse“ zeigt.

Ein kurzer Fakt: Der Name „Lidenbrock“ war wahrscheinlich eine Ehre für den deutschen Bibliophilen Friedrich Lindenbrog aus dem 17. Jahrhundert.

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
2026-05-05

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