Die Laodizeerin

Die Laodizeerin

von Thomas Hardy

**Moderne gegen mittelalterliche Romanze · Thomas Hardys Erzählung über ein geteiltes Herz**

*Die Laodizeerin; oder: Das Schloss der De Stancys. Eine Geschichte von heute* ist der achte veröffentlichte Roman des englischen Autors Thomas Hardy, der erstmals 1880–81 im *Harper's New Monthly Magazine* erschien. Die Handlung weist für Hardy untypische Elemente auf, wie gefälschte Telegramme und manipulierte Fotografien.

**Eine Erbin zwischen zwei Welten**

Paula Power erbt eine mittelalterliche Burg von ihrem Vater, einem Industriellen, der sie der aristokratischen Familie De Stancy abgekauft hatte. Sie beschäftigt zwei Architekten – einen ortsansässigen und George Somerset, einen frisch qualifizierten Architekten aus London. Somerset repräsentiert im Roman die Moderne, während Captain De Stancy, ein verarmter Spross der ehemaligen Adelsfamilie der Burg, für Paula den Reiz des mittelalterlichen Adels verkörpert. Von beiden Männern aufgrund ihrer jeweils unterschiedlichen Vorzüge angezogen, findet sich Paula im Spannungsfeld zwischen dem Fortschrittsglauben und der Romantik der Vergangenheit wieder.

**Die Intrige eines Bastards, eine Burg in Flammen**

William Dare, der uneheliche und nicht anerkannte Sohn von Captain De Stancy, beschließt einzugreifen, um seinen Vater in Paulas Gunst zu fördern – einzig mit dem Ziel, weiterhin spielen und von ihrem Einkommen leben zu können. Er fälscht ein Telegramm und ein Foto, um es so aussehen zu lassen, als führe Somerset einen liederlichen Lebensstil als trunkener Spieler. Sein Betrug wird von Captain De Stancys Schwester Charlotte entdeckt, die sich mit Paula angefreundet hat und beschließt, die Wahrheit zu offenbaren. Paula reist Somerset auf den Kontinent nach, wohin er geflohen ist, weil er fälschlicherweise glaubte, Paula und der Captain hätten bereits geheiratet; die beiden finden wieder zusammen und vermählen sich. Aus Rache brennt Dare die Burg nieder, wobei er die Ahnenporträts und Möbel als Brennholz verwendet. Somerset schlägt vor, an ihrer Stelle ein modernes Haus zu errichten.

**Ein Schlusssatz, der die Bedeutung des Romans benennt**

Der letzte Satz des Romans fängt Paulas bleibende innere Zerrissenheit zwischen Modernität und romantischem Mittelaltertum ein – und damit auch zwischen den beiden Männern, die diese verkörperten. Gleichzeitig wird die Bedeutung des Titels „Die Laodizeerin“ (eine Person, die gleichgültig oder halbherzig ist) unterstrichen:

„Ich wünschte, mein Schloss wäre nicht verbrannt; und ich wünschte, du wärst ein De Stancy\!“ — Paula Power, *Die Laodizeerin*

Am Ende wird Paulas geteiltes Herz zu Hardys leisem Kommentar über ein Zeitalter, das zwischen zwei Welten gefangen ist – unfähig, wie seine Heldin, das eine für das andere gänzlich loszulassen.

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
2026-07-02

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