Die Entstehung
Die Novelle nahm ihren Anfang in einer furchterregenden „Schauergeschichte“, die Stevenson 1885 träumte, während er in Bournemouth lebte. Nachdem er von seiner Frau Fanny aus einem Albtraum geweckt worden war, behauptete Stevenson, er habe die Verwandlung eines Mannes in ein Monster durch ein Gebräu aus weißem Pulver visualisiert. Berühmt ist, dass er den ersten Entwurf von 40.000 Wörtern in nur drei Tagen schrieb. Nach einer heftigen Kritik von Fanny, die argumentierte, die Geschichte solle eher eine moralische Allegorie als ein billiger „Groschenroman“ sein, verbrannte Stevenson das ursprüngliche Manuskript und schrieb die gesamte Erzählung innerhalb von weiteren drei Tagen aus einer neuen Perspektive um.
Handlung und Thema
Die 1886 veröffentlichte Geschichte folgt dem angesehenen Dr. Henry Jekyll, einem gütigen und intelligenten Arzt, der von der Vorstellung besessen ist, dass die menschliche Seele ein Schlachtfeld zwischen zwei gegensätzlichen Kräften sei. Er entwickelt eine Droge, die dazu bestimmt ist, diese Elemente physisch zu trennen, was es ihm ermöglicht, seinen dunkleren Impulsen nachzugehen, ohne seinen Ruf zu schädigen.
Sein Alter Ego, Edward Hyde, ist jedoch ein „psychopathisches Monster“, das das rein Böse repräsentiert. Im Laufe des Experiments wird die Verwandlung unfreiwillig. Der „seltsame Fall“ dient als tiefgründige Untersuchung der Dualität der menschlichen Natur und der Unmöglichkeit, das Gute vollständig vom Bösen zu isolieren. Stevenson legt nahe, dass Jekylls schlussendlicher Untergang durch seine eigene moralische Schwäche verursacht wird; da er eine Mischung aus beiden Eigenschaften ist, ist er letztlich unfähig, das von ihm entfesselte Monster zu kontrollieren.
Wirkung und Vermächtnis
Das Buch war eine sofortige Sensation und verkaufte sich in Großbritannien innerhalb von sechs Monaten 40.000 Mal. Es lieferte ein literarisches Vokabular für das aufkeimende Feld der Psychologie und des Unterbewusstseins. Heute bleibt die Phrase „Jekyll und Hyde“ eine gängige Kurzform für jemanden mit einem völlig anderen oder verborgenen moralischen Charakter.
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