Ten Nights of Dreams (Yume Jūya)

Ten Nights of Dreams (Yume Jūya)

von Natsume Sōseki

Natsume Sōsekis Kurzgeschichtensammlung „Ten Nights of Dreams“ (Yume Jūya), die 1908 in weniger als zwei Wochen in der Zeitung Asahi Shimbun erschien, beginnt mit den neun berühmten japanischen Schriftzeichen für „So einen Traum hatte ich“ und vereint zehn bizarre Traumerzählungen. Zwischen dem Zeitalter der Götter, der Kamakura-Zeit und einer Zukunft in hundert Jahren hin- und herpendelnd, entwirft das Werk Szenarien, die zwischen Parabel und Albtraum schwanken: Eine Frau, die verspricht, hundert Jahre am Grab zu warten; ein Samurai, der zur Erleuchtung gezwungen wird; ein Vater, der sein blindes Kind trägt; und ein Mann, der von einer Rotte Schweine gejagt wird. Das Werk gilt als Essenz von Sōsekis fantastischer Ader, die sich stark von seinem Image als realistischer Autor unterscheidet.

Der Kontrast zwischen dem Testament der Frau in der Ersten Nacht – „Bitte sitze hundert Jahre lang an meinem Grab und warte auf mich“ – und der Lilie, die nach hundert Jahren erblüht, thematisiert die Ewigkeit des Wartens und den Zweifel am Verrat. Dies wurde wiederholt als Meilenstein der fantastischen Literatur Japans analysiert. In der Dritten Nacht fängt der Satz des blinden Kindes – „Es ist genau hundert Jahre her, seit du mich getötet hast“ – den Moment ein, in dem die Erinnerung an eine Schuld als physisches Gewicht auf dem Rücken lastet, ein Motiv, das viele spätere Psychoromane beeinflusste.

Die visuelle Vorstellungskraft dieses Werks inspiriert Künstler bis heute. 2006 schuf Regisseur Yūdai Yamaguchi mit namhaften Schauspielern den Episodenfilm „Yume Jūya“, der die fragmentarischen Albträume als visuelle Bildrolle neu interpretierte. Der Fotograf Masaaki Miyazawa erhielt für seine auf dem Werk basierenden Arbeiten den Infinity Award des International Center of Photography (ICP). Auch Akira Kurosawas Spätwerk „Dreams“, in dem der Meister seine Erinnerungen und Visionen in acht Träumen festhielt, wird oft in der Tradition von Sōsekis Werk genannt.

Internationale Kritiker schätzen Sōseki hoch ein. Susan Sontag bezeichnete ihn als vielseitiges Genie am Rande der eurozentrischen Weltliteratur. Der britische Kritiker Damian Flanagan verglich ihn mit Shakespeare und Goethe und argumentierte, seine universelle Bedeutung sei lediglich noch nicht ausreichend erkannt. Innerhalb von Sōsekis Œuvre bleibt „Ten Nights of Dreams“ ein Ausnahmewerk, das jenseits des Realismus direkt nach dem menschlichen Unbewussten und den Erinnerungen an Schuld greift.

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
2026-07-03

Miva, die nächste Art zu lesen nach dem Hörbuch

Hör zu wie bei einem Hörbuch und frag jederzeit alles, was dich interessiert.

Mivas Erzählung starten

Miva liest nicht nur vor. Miva erklärt weiter, je nachdem was du fragst.