Il Giorno (Der Tag) ist das satirische Meisterwerk von Giuseppe Parini und eines der bedeutendsten Werke der italienischen Aufklärung. Das ab 1763 veröffentlichte Gedicht bietet eine ironische und raffinierte Darstellung des Adels des 18. Jahrhunderts und zeigt die moralische und geistige Leere der Aristokratie durch die minutiöse Beschreibung des Tagesablaufs eines jungen Herrn auf.
Das Werk war ursprünglich in drei Teile gegliedert – Il mattino (Der Morgen), Il mezzogiorno (Der Mittag) und La sera (Der Abend) – doch später wurde der letzte Abschnitt in Il vespro (Die Dämmerung) und La notte (Die Nacht) unterteilt. Das Gedicht folgt dem Protagonisten vom späten Erwachen bis zu den nächtlichen Festen: Die Wahl zwischen Schokolade oder Kaffee, die Toilette, galante Besuche, mondäne Mittagessen, Gesellschaftsspiele und frivole Konversationen werden zu Episoden, die im feierlichen Ton des klassischen Epos erzählt werden.
Parini verwendet in der Tat einen gehobenen Stil, inspiriert von Homer und Vergil, um unbedeutende und oberflächliche Handlungen zu beschreiben. Aus diesem Kontrast entsteht die Ironie des Werkes: Der Dichter scheint die aristokratische Welt zu feiern, entlarvt aber in Wirklichkeit deren Nutzlosigkeit, Müßiggang und Heuchelei.
Der Protagonist, der „Giovin Signore“ (junge Herr), repräsentiert eine bereits dekadente soziale Klasse, die unfähig ist, einen wahren Sinn im Leben außerhalb von Luxus und mondänen Konventionen zu finden. Durch diese Figur kritisiert Parini eine Gesellschaft, die nur von Äußerlichkeiten und sozialen Ritualen lebt, fernab von den Werten bürgerlichen Engagements und der Arbeit.
Das Werk ist vom Einfluss von Alexander Popes „The Rape of the Lock“ geprägt, insbesondere in der Verwendung heroisch-komischer Ironie, aber auch von den Ideen der französischen Aufklärung und dem europäischen moralischen Denken des 18. Jahrhunderts. Il Giorno wird oft als Beginn der modernen italienischen „Zivilliteratur“ angesehen, die in der Lage ist, stilistische Eleganz, Gesellschaftssatire und moralische Reflexion zu vereinen.
Obwohl es unvollendet blieb, hatte das Gedicht einen enormen Einfluss auf die spätere italienische Literatur. Ugo Foscolo bewunderte Parini zutiefst und machte ihn zum Symbol des moralisch integren Intellektuellen in einer korrupten Welt. Bis heute gilt Il Giorno als eine der größten Satiren auf die europäische aristokratische Gesellschaft.
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