Liebe und Geheimnisse vor dem Skalpell: Der Ursprung von Izumi Kyōkas ästhetischer Groteske.
„Gekashitsu“ (Das Operationszimmer) beschreibt auf engstem Raum das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Liebe, Scham, Körper, Medizin und Tod. Die Handlung konzentriert sich auf den Operationssaal, in dem die lange unterdrückten Emotionen der Protagonisten plötzlich ans Licht kommen. Das Unheimliche entspringt hier nicht dem Erscheinen von Ungeheuern, sondern den tief verborgenen Schwüren und Obsessionen der menschlichen Seele.
Izumi Kyōka, mit bürgerlichem Namen Izumi Kyōtarō, wurde 1873 in Kanazawa geboren. Er verlor früh seine Mutter und zog später nach Tokio, um bei Ozaki Kōyō zu studieren. 1895 erlangte er mit „Yako Junsa“ (Der Nachtwächter) und „Gekashitsu“ literarische Anerkennung; 1900 festigte „Kōya Hijiri“ seinen Ruhm. Seine Werke lehnen den Naturalismus ab und neigen zu Fantasie, Romantik, Frauenverehrung, dem Grotesken und einer prämodernen Stimmung. Er beeinflusste das japanische Shinpa-Theater und die moderne Fantasyliteratur maßgeblich.
„Gekashitsu“ ist eine Essenz von Kyōkas früher Ästhetik: Die Kulisse eines modernen Krankenhauses trifft auf klassische Leidenschaft, wobei rationale Technik mystische Gefühle erzwingt. In zeitgenössischen Kategorien lässt es sich mit der ästhetischen Spannung von Autoren wie Hiroko Minagawa oder Natsuhiko Kyōgoku vergleichen und erinnert an das Aufeinandertreffen von kühler Emotionalität und Todesästhetik in den Kurzgeschichten von Otsuichi.
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