Kōya Hijiri (Der Heilige vom Berg Kōya)

Kōya Hijiri (Der Heilige vom Berg Kōya)

von Izumi Kyōka

『Kōya Hijiri』, veröffentlicht im Jahr 1900, ist ein Meisterwerk der fantastischen Literatur von Izumi Kyōka und gilt als Meilenstein der Schauer- und Fantastikliteratur in der modernen japanischen Literatur. Die Erzählung besitzt eine Schachtelstruktur, in der der Mönch Sōchō vom Berg Kōya einem jungen Mann, dem er auf einer Reise begegnet, von einem mysteriösen Erlebnis aus seinen jungen Jahren berichtet.

In den tiefen Bergen von Hida: Nachdem Sōchō einen menschenleeren Pass überquert hat, auf dem Schlangen wimmeln und Blutegel von den Bäumen regnen, trifft er auf eine atemberaubend schöne Frau, die in einem einsamen Haus lebt. Sie scheint eine barmherzige, heilige Mutter zu sein, die den verletzten Mönch heilt, ist jedoch zugleich eine Dämonin, die Männer in Bestien verwandelt. Hin- und hergerissen zwischen ihrer verführerischen Schönheit und seiner Askese, kämpft Sōchō mit dem Konflikt zwischen seinem Glauben als Mönch und seinem menschlichen Begehren, wobei er dem Verderben am Ende nur knapp entkommt.

Dieses Werk ist keine bloße Geistergeschichte. Es ist ein literarisches Werk, das gegensätzliche Konzepte wie Begehren und Erlösung, Schönheit und Terror sowie Heiligkeit und Dämonie durch japanische ästhetische Ideale wie Yūgen (gründige Anmut) und Sinnlichkeit vereint. Kyōkas charakteristischer, fließender und musikalischer Stil, die an Nō-Theater und Legenden erinnernde Erzählstruktur und eine Weltanschauung, in der Fantasie und Realität grenzenlos miteinander verschmelzen, bilden den Ursprung der japanischen Fantastik.

Mishima Yukio pries Kyōkas Genie und zählte 『Kōya Hijiri』 zusammen mit Kyōkas Gesamtwerk und den 『Ugetsu Monogatari』 zu den unersetzlichen Schätzen der japanischen Literaturgeschichte. Er betonte, wie tiefgreifend Kyōka das Geheimnis des Menschseins, der Geschlechter und des Lebens besingt.

Auch mehr als ein Jahrhundert nach seiner Veröffentlichung hat der betörende Charme des Werkes nicht an Glanz verloren. Es wurde mehrfach adaptiert, unter anderem 1957 als Film sowie als TV-Drama, Anime, Lesung und Kabuki-Theater. Besonders die Kabuki-Version unter der Regie und Hauptrolle von Bandō Tamasaburō wird als herausragende Inszenierung geschätzt, die Kyōkas fantastische Ästhetik in die Moderne übertrug. Durch Manga-Adaptionen und Übersetzungen wurde es zudem zu einem wichtigen Werk, das die japanische Fantastik weltweit bekannt machte. Ein Werk, das Traum und Wirklichkeit, Sinnlichkeit und Schrecken so elegant darstellt, bleibt in der japanischen Literaturgeschichte bis heute einzigartig.

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
2026-07-03

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