I. Ursprung der Buchversionen und historische Entwicklung
„Zhou Gong Jie Meng“ ist kein Werk, das zu einer bestimmten Zeit an einem einzigen Ort entstand; es durchlief im Laufe der Geschichte einen langen Prozess der Entwicklung, des Verlusts und der Reorganisation:
Die dreibändige Ausgabe der Song-Dynastie (verschollen)
Dieses Buch wurde erstmals in offiziellen Dokumenten in der „Geschichte der Song-Dynastie“ (Song Shi Yi Wen Zhi) mit insgesamt drei Bänden erwähnt. Bedauerlicherweise gilt diese amtlich verzeichnete Ausgabe seit der Yuan-Dynastie als vollständig verschollen.
Erhaltene Dunhuang-Manuskripte (Versionen aus der Zeit der Drei Reiche bis zur Tang-Dynastie)
Moderne Archäologen entdeckten in den Dunhuang-Schriften wertvolle Fragmente des „Traumbuchs des Herzogs von Zhou“. Diese enthalten ein Vorwort, den Haupttext der ersten sechzehn Kapitel sowie das Inhaltsverzeichnis des siebzehnten Kapitels.
Datierung: Das Vorwort der Fragmente beginnt mit der Geschichte des antiken Herrschers „Yao“, endet jedoch mit dem Tod von „Sun Jian“, dem Begründer des Reiches Wu am Ende der Han-Zeit. Daher schätzt die Fachwelt die Entstehung dieser Version auf die Zeit der Drei Reiche. Die tatsächliche Niederschrift dieses Dunhuang-Manuskripts wird auf die Ära des Kaisers Yizong der Tang-Dynastie datiert.
Vollständige Dunhuang-Ausgabe: In den Dunhuang-Dokumenten existiert zudem eine gut erhaltene Rolle mit dem Titel „Neu gesammeltes Traumbuch des Herzogs von Zhou“. Das Vorwort erwähnt die Zusammenstellung von über zwanzig Kapiteln, was darauf hindeutet, dass diese Version später als das oben genannte Fragment aus der Zeit der Drei Reiche entstand.
Die heutige gängige Volksausgabe
Die heute im Volk, an Wahrsagerständen oder im Internet verbreitete Fassung von „Zhou Gong Jie Meng“ unterscheidet sich in Kapiteln und Text erheblich von den Dunhuang-Fragmenten. Dennoch bewahrt die moderne Fassung einzelne antike Zaubersprüche und Deutungslogiken, was eine gewisse Traditionslinie zu den alten Texten der Tang- und Drei-Reiche-Zeit belegt.
Integration moderner Gegenstände
Um mit der Zeit zu gehen, haben einige moderne Ausgaben auf Basis der Tradition mutig moderne Elemente integriert, wie etwa Flugzeuge, Raumschiffe, Überführungen, Kinos, Mobiltelefone und Computer. Die Analyse dieser modernen Dinge ist nicht willkürlich, sondern leitet sich von traditionellen Theorien wie der „Analogiebildung“ (Zhao Li Lei Tui) und dem „Vergleich von Bildern“ (Qu Xiang Bi Lei) ab.
II. Die fünfzehn Kategorien von Träumen
Die im Volk überlieferte Traumkultur unterteilt menschliche Träume basierend auf Ursache, Zustand und Vorzeichencharakter in fünfzehn Kategorien:
1. Zhi Meng (Direkter Traum): Das Geträumte geschieht exakt so in der Realität.
2. Xiang Meng (Symbolischer Traum): Träume voller Symbole und Metaphern (z. B. Fische als Symbol für Reichtum), die gedeutet werden müssen.
3. Yin Meng (Ursächlicher Traum): Träume, die durch starke innere Fixierungen, Gründe oder unerfüllte Wünsche ausgelöst werden.
4. Xiang Meng (Gedanklicher Traum): Das Produkt intensiver Konzentration; was man tagsüber denkt, träumt man nachts.
5. Jing Meng (Vitaler Traum): Ruhige Träume bei klarem Geist, voller Energie und harmonischem Blutfluss.
6. Xing Meng (Charaktertraum): Träume, die die angeborene Veranlagung oder Persönlichkeit widerspiegeln.
7. Ren Meng (Menschlicher Traum): Träume, die sich um soziale Beziehungen und Interaktionen mit Freunden oder Verwandten drehen.
8. Gan Meng (Reaktionstraum): Ausgelöst durch äußere Reize wie Wetterumschwünge, Geräusche oder körperliche Empfindungen.
9. Shi Meng (Zeitraum): Spiegelung von Jahreszeiten und Zeitverlauf in der Physiologie und Psychologie.
10. Fan Meng (Gegentraum): Traum und Realität sind gegensätzlich (z. B. bedeutet ein schlechtes Omen im Traum Glück in der Realität).
11. Jie Meng (Entlehnter Traum): Nutzung unzusammenhängender Dinge als Hinweis auf zukünftige Vorzeichen.
12. Ji Meng (Übertragener Traum): Das Schicksal anderer manifestiert sich im eigenen Traum (z. B. Eltern träumen von Ereignissen ihrer Kinder).
13. Zhuan Meng (Wandlungstraum): Träume mit extremen Wendungen oder unlogischen Veränderungen.
14. Bing Meng (Krankheitstraum): Physiologische Träume aufgrund von Krankheiten oder körperlichen Ungleichgewichten.
15. Gui Meng (Geistertraum): Träume von Göttern, Geistern, Verstorbenen oder extreme Albträume.
III. Warum der Name „Herzog von Zhou“?
Um zu verstehen, warum dieses Buch nach ihm benannt ist, muss man die Herkunft des Herzogs Zhou Dan als „Gott der Träume“ kennen:
Die Redewendung „Vom Herzog von Zhou träumen“
Der Staatsmann Zhou Dan aus der Westlichen Zhou-Dynastie war das größte Idol von Konfuzius. Dieser wollte zeitlebens das vom Herzog geschaffene Ritus- und Musiksystem wiederherstellen.
Im Alter beklagte Konfuzius den Verfall der Sitten und seine eigene Schwäche mit den Worten in den „Analekten“:
„Es ist schlimm mit mir! Lange schon habe ich nicht mehr vom Herzog von Zhou geträumt.“
Vergöttlichung zum „Traumgott“
Konfuzius nutzte diesen Satz ursprünglich als Metapher für sein Scheitern. Im Volk wurde die Figur des Herzogs jedoch direkt mit der Traumwelt verknüpft. Man glaubte, der Herzog würde vor wichtigen Ereignissen im Traum erscheinen, um Offenbarungen zu schenken. So wurde „den Herzog von Zhou besuchen“ im chinesischen Sprachraum zum Synonym für „Schlafen“ und sein Name zum Autoritätssiegel für Traumbücher.
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