Northanger Abbey

Northanger Abbey

von Jane Austen

Northanger Abbey (geschrieben von der englischen Autorin Jane Austen) ist ein Bildungsroman und eine Satire auf Schauerromane (Gothic Novels). Obwohl das Titelblatt auf 1818 datiert ist und der Roman postum 1817 zusammen mit „Überredung“ (Persuasion) veröffentlicht wurde, war Northanger Abbey bereits 1799 fertiggestellt. Getrieben von einer Vorliebe für Schauerromane und einer lebhaften Fantasie, die ihr Weltbild verzerrt, folgt die Geschichte Catherine Morland, der naiven jungen Protagonistin, während sie ein besseres Verständnis für sich selbst und die Welt um sie herum entwickelt. Aufgrund der unterschiedlichen Stile und der verschiedenen Verweise auf Gothic-Romane ist offensichtlich, dass Austen über viele Jahre hinweg an Northanger Abbey schrieb. Erst nach ihrem Tod gelang es ihrem Bruder schließlich, das Buch zur Veröffentlichung zu bringen. Nach Erscheinen erhielt es gemischte Kritiken. Der Roman behandelt eine breite Palette von Themen wie die feine Gesellschaft, Gothic Fiction, den Bildungsroman, den Wert des Lesens und die Bedeutung der Zeit. Dieser Roman gilt als jugendlicher als ihre anderen Werke.

Die siebzehnjährige Catherine Morland ist eines von zehn Kindern eines Landpfarrers. Obwohl sie in ihrer Kindheit ein Wildfang war, befindet sie sich nun „in der Ausbildung zur Heldin“ und liest leidenschaftlich gerne Schauerromane, „vorausgesetzt, sie bestehen ganz aus Geschichte und nicht aus Reflexion“.

Wie es endet

Achtung, Spoiler

Catherine Morland, die siebzehnjährige Tochter eines einfachen Geistlichen, wächst in Fullerton auf. Sie ist ein unkompliziertes, gewöhnliches Mädchen, das leidenschaftlich gerne Schauerromane liest. Als das befreundete Ehepaar Allen sie zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Bath einlädt, erhält Catherine erstmals Gelegenheit, in die Gesellschaft einzutauchen. In Bath knüpft Catherine schnell zwei prägende Bekanntschaften. Zum einen schließt sie Freundschaft mit der flachen, berechnenden Isabella Thorpe und trifft auf deren aufdringlichen Bruder John. Zum anderen lernt sie den klugen, humorvollen Geistlichen Henry Tilney und dessen liebenswürdige Schwester Eleanor kennen. Während John Thorpe Catherine umwirbt und ihr nachstellt, fühlt sich Catherine zunehmend zu Henry hingezogen. Gleichzeitig verlobt sich Catherines Bruder James mit Isabella. John Thorpe behauptet gegenüber General Tilney, dem Vater von Henry und Eleanor, fälschlicherweise, Catherine sei die wohlhabende Erbin des reichen Ehepaars Allen. Im Glauben an ihren angeblichen Reichtum lädt der standesbewusste General Catherine auf den Familiensitz Northanger Abbey ein. Auf dem historischen Anwesen lässt Catherine ihrer durch Romane genährten Fantasie freien Lauf. Sie vermutet hinter verschlossenen Türen und geheimnisvollen Möbeln düstere Geheimnisse und beschuldigt den strengen General Tilney im Stillen sogar, seine verstorbene Ehefrau ermordet oder eingesperrt zu haben. Henry deckt Catherines abwegige Spekulationen auf und weist sie sanft, aber bestimmt zurecht. Beschämt erkennt Catherine die Grenzen zwischen romanhafter Fiktion und der realen Welt und gelobt Besserung. Kurz darauf erschüttern reale Enttäuschungen Catherines Umfeld: Isabella bricht die Verlobung mit James ab, um dem wohlhabenden und ranghöheren Kapitän Frederick Tilney, Henrys älterem Bruder, nachzustellen. Damit enthüllt sich Isabella als unaufrichtige Opportunistin. Catherine wendet sich erschüttert von ihr ab und erkennt den Wert wahrer Charaktereigenschaften. Die Handlung wendet sich dramatisch, als General Tilney nach einer Reise überraschend nach Northanger Abbey zurückkehrt. In namenloser Wut befiehlt er Catherine, das Anwesen unverzüglich zu verlassen, und zwingt sie zu einer beschwerlichen, ungeleiteten Heimreise in einer einfachen Mietkutsche nach Fullerton. Der Grund für seinen abrupten Gesinnungswandel liegt in einer erneuten Begegnung mit John Thorpe in London: Aus Rache über Catherines Zurückweisung hat Thorpe seine früheren Lügen ins Gegenteil verkehrt und die Familie Morland als völlig mittellos und gerissen dargestellt. Zurück im Elternhaus verfällt Catherine in Niedergeschlagenheit, bis Henry Tilney unerwartet in Fullerton erscheint. Er entschuldigt sich für das inakzeptable Verhalten seines Vaters und erklärt Catherine seine Liebe. Aus Ehrgefühl und echter Zuneigung hat er sich den Befehlen des Generals widersetzt. Als Eleanor kurz darauf einen adligen Mann von hohem Stand und Vermögen heiratet, besänftigt dies den General ausreichend, um schließlich auch der Verbindung zwischen Henry und Catherine seinen Segen zu erteilen. Der Roman endet mit der Hochzeit von Henry und Catherine, deren gemeinsame Prüfung ihre Zuneigung gefestigt hat.

Figuren

Catherine MorlandEine naive, aber herzensgute Pfarrerstochter, deren Leidenschaft für Schauerromane ihre Wahrnehmung der Welt prägt und die zu einer reifen jungen Frau heranwächst.
Henry TilneyEin kluger, humorvoller und sarkastischer Geistlicher, der Catherines Naivität mit sanfter Ironie korrigiert und durch seine ehrliche Zuneigung ihr Herz gewinnt.
Isabella ThorpeEine berechnende und heuchlerische junge Frau in Bath, die Catherines Freundschaft sucht, aber primär von der Jagd nach einer finanziell lukrativen Heiratsgelegenheit getrieben wird.
John ThorpeEin prahlerischer, rücksichtsloser junger Mann, der Catherine belästigt und durch seine skrupellosen Lügen gegenüber General Tilney die zentralen Konflikte der Handlung auslöst.
General TilneyDer geldgierige, autoritäre Patriarch von Northanger Abbey, der seine Kinder beharrlich kontrolliert und soziale Beziehungen ausschließlich nach Vermögen und Stand bemisst.
Eleanor TilneyDie liebenswürdige und wohlerzogene Schwester von Henry, die Catherine eine treue Freundin ist und unter dem strengen Regiment ihres Vaters leidet.

Bekannte Zitate

Niemand, der Catherine Morland je in ihrer Kindheit gesehen hätte, wäre auf die Idee gekommen, dass sie dazu bestimmt war, eine Heldinnenrolle zu spielen.Originaltext: No one who had ever seen Catherine Morland in her infancy would have supposed her born to be an heroine.Northanger Abbey Chapter 1. Dieser ikonische Eröffnungssatz etabliert den ironischen und parodistischen Ton des gesamten Werks, indem er bewusst mit den Konventionen traditioneller Helden- und Schauerromane bricht.
Ja, Romane; denn ich will jene ungroßmütige und unkluge Sitte nicht übernehmen, die unter Romanschriftstellern so verbreitet ist, eben jene Werke durch ihr herablassendes Tadeln herabzusetzen, zu deren Zahl sie selbst beitragen – sich mit ihren größten Feinden zu verbünden, um solche Werke mit den schärfsten Schmähungen zu bedenken, und es ihrer eigenen Heldin kaum jemals zu gestatten, sie zu lesen, die, wenn sie zufällig einmal einen Roman zur Hand nimmt, seine faden Seiten sicher mit Abscheu umblättert.Originaltext: Yes, novels; for I will not adopt that ungenerous and impolitic custom so common with novel-writers, of degrading by their contemptuous censure the very performances, to the number of which they are themselves adding—joining with their greatest enemies in bestowing the harshest epithets on such works, and scarcely ever permitting them to be read by their own heroine, who, if she accidentally take up a novel, is sure to turn over its insipid pages with disgust.Northanger Abbey Chapter 5. Dies ist eine der berühmtesten Verteidigungsschriften der Romanliteratur; Jane Austen bricht die narrative Illusion, um leidenschaftlich und humorvoll gegen die gesellschaftliche wie literarische Herabwürdigung des Genres zu argumentieren.
Wer auch immer – ob Dame oder Herr – keine Freude an einem guten Roman hat, muss unerträglich dumm sein.Originaltext: The person, be it gentleman or lady, who has not pleasure in a good novel, must be intolerably stupid.Northanger Abbey Chapter 14. Die Aussage spiegelt Henrys Esprit und Intellekt wider und bricht pointiert mit dem damaligen Vorurteil, dass das Lesen von Romanen eine reine und minderwertige Beschäftigung für Frauen sei.
Eine Heldin in einer gemieteten Postkutsche ist ein solcher Schlag gegen das Gefühlvoll-Romantische, dass kein Versuch von Erhabenheit oder Pathos ihm standhalten kann.Originaltext: A heroine in a hack post-chaise is such a blow upon sentiment, as no attempt at grandeur or pathos can withstand.Northanger Abbey Chapter 29. Die Passage veranschaulicht Austens satirische Demontage romantischer Klischees, indem sie die nüchterne, unglamouröse Realität der Protagonistin direkt der übersteigerten Dramatik klassischer Empfindsamkeitsromane gegenüberstellt.

Häufige Fragen

Wer streamt die Verfilmung von Northanger Abbey?

Die bekannten Filmadaptionen, insbesondere die geschätzte Version von 2007 unter der Regie von Jon Jones mit Felicity Jones und JJ Feild sowie die Verfilmung von 1986 von Giles Foster, wechseln im deutschen Raum regelmäßig die Lizenzen bei verschiedenen Video-on-Demand-Plattformen. Da sich die Verfügbarkeiten im Abo oder als Kauffilm bei den gängigen Anbietern fortlaufend ändern, empfiehlt sich eine kurze Recherche auf einschlägigen Filmportalen. Unabhängig von einer Filmfassung können Sie den vollständigen Roman direkt hier auf der Plattform lesen und das Werk im literarischen Original entdecken.

Was ist Northanger Abbey für ein Werk?

Es handelt sich um den ersten vollendeten Roman von Jane Austen, der jedoch erst posthum im Jahr 1817 gemeinsam mit Persuasion veröffentlicht wurde. Das Werk ist eine humorvolle Kombination aus einem Coming-of-Age-Roman und einer feinsinnigen Parodie auf die damals extrem populären Schauerromane von Autoren wie Ann Radcliffe. Austen nutzt die Geschichte der jungen Catherine Morland, um gesellschaftliche Klischees der englischen Oberschicht aufzudecken, die Rolle der Frau auf dem Heiratsmarkt zu beleuchten und gleichzeitig eine leidenschaftliche Verteidigung des Romanlesens zu formulieren.

Ist Northanger Abbey ein Klassiker und lohnt es sich zu lesen?

Der Roman gilt unbestritten als Klassiker der englischen Literatur und bietet einen idealen Einstieg in das Gesamtwerk von Jane Austen. Durch seinen frischen, ironischen Ton und den parodistischen Charakter unterscheidet er sich von ihren späteren, ernsteren Werken. Das Buch lohnt sich besonders für Leser, die feinsinnigen Humor, kluge Dialoge und eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit den Eigenheiten menschlicher Natur schätzen. Die zeitlose Gesellschaftskritik verpackt Austen in eine leichtfüßige Geschichte, die bis heute nichts von ihrer Witzigkeit eingebüßt hat.

Wann entstand der Roman und wo ist der Schauplatz der Handlung?

Jane Austen schrieb die erste Fassung des Romans bereits um das Jahr 1798 und 1799 unter dem ursprünglichen Arbeitstitel Susan. Die Handlung spielt im England des späten 18. Jahrhunderts und teilt sich in zwei Hauptschauplätze: Die erste Hälfte findet im eleganten Heilbad Bath statt, wo das gesellschaftliche Leben und die Ballsäle im Mittelpunkt stehen. Die zweite Hälfte verlagert das Geschehen auf das historische Anwesen Northanger Abbey in der ländlichen Provinz, dessen gotische Architektur die Fantasie der Hauptfigur anregt.

Wie endet Northanger Abbey?

Die Ereignisse des letzten Kapitels führen die dramatischen Verwicklungen um Standesunterschiede, enttäuschte Erwartungen und elterliche Autorität zu einer klärenden Auflösung. Welche unerwartete Wendung im Umfeld der Familie Tilney dem Konflikt die Schärfe nimmt und auf welche Weise die Charaktere ihren eigenen Weg gegen gesellschaftliche Wiederstände behaupten, entfaltet sich in einer Reihe berührender Begegnungen. Lesen Sie diese abschließenden Seiten selbst, um die genaue Entwicklung und die vollständige Auflösung im Originaltext zu erleben.

Welche Rolle spielen Schauerromane in der Geschichte?

Schauerromane wie The Mysteries of Udolpho dienen als zentrales Motivelement, das die Wahrnehmung der Protagonistin Catherine Morland maßgeblich beeinflusst. Sie liest diese Bücher mit großer Begeisterung und versucht, deren dramatische Muster auf ihren eigenen Alltag in der realen Welt zu übertragen. Diese Gegenüberstellung nutzt Jane Austen, um einerseits die Naivität ihrer Heldinnenfigur aufzuzeigen und andererseits die Übertreibungen der damaligen Modeliteratur satirisch zu Hühneraugen zu machen, während sie gleichzeitig die emotionale Kraft von Geschichten würdigt.

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
2026-07-14

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