Sorekara (Und dann)

Sorekara (Und dann)

von Natsume Sōseki

Werkführung

Hintergrund des Werks: „Sorekara“ schildert das geistige Leben und die emotionalen Entscheidungen von Daisuke Nagai, einem jungen Mann in Tokio. Daisuke ist gut ausgebildet und stammt aus wohlhabendem Hause, weigert sich jedoch, wie sein Vater und sein älterer Bruder in die Welt der Industrie einzutreten. Er führt ein geschmackvolles, sensibles Leben, das fast dem eines Müßiggängers gleicht, bis sein alter Freund Hiraoka und dessen Frau Michiyo wieder auftauchen. Dies zwingt ihn, sich einem lang vermiedenen Problem zu stellen: Wird er weiterhin von den Arrangements seiner Familie abhängig bleiben oder zugeben, dass er die Frau seines Freundes wirklich liebt? Das Werk entstand in der späten Meiji-Zeit, einer Ära, in der sich die japanische Stadtklasse, die kapitalistische Ordnung und der Individualismus rasant formierten.

Literarische Merkmale: Der Roman beginnt damit, dass Daisuke aus einem Traum erwacht, seinen Herzschlag hört und eine Kamelienblüte auf sein Kissen fallen sieht, was den Leser sofort in eine sensible, elegante und zugleich beunruhigte Innenwelt versetzt. Sōseki versteht es meisterhaft, heftige Konflikte in Zimmergesprächen, Blumensträußen, dem Geräusch von Regen und Momenten des Schweigens zu verbergen. Daisuke ist kein einfacher romantischer Held; einerseits verabscheut er vulgären Erfolg, andererseits ist er auf das Geld seiner Familie angewiesen, um seine Freiheit zu bewahren. Er strebt nach wahrer Emotion, kann aber nicht leugnen, dass diese Wahrheit Freundschaft und Ehe zerstören wird. Dieser Widerspruch lässt das Werk außergewöhnlich modern erscheinen.

Kurzbeschreibung: „Sorekara“ ist ideal für Leser von heute, die mit Karrierefragen, Familienerwartungen und emotionalen Entscheidungen konfrontiert sind. Es geht nicht nur um die einfache Frage „Soll ich der Liebe folgen?“, sondern darum: Wenn wir sagen, wir wollen uns selbst treu bleiben, sind wir dann bereit, den Preis dafür zu zahlen? Das „Danach“ im Titel ist ein gewichtiger Begriff, denn das wahre Leben wird oft nicht vor der Entscheidung am schwierigsten, sondern erst danach auf die Probe gestellt. Daisukes Leben wirkt oberflächlich betrachtet kultiviert und entspannt, hängt aber in Wirklichkeit in der Schwebe. Seine Beziehung zu Vater und Bruder offenbart die familiären Pläne für seine Ehe und Karriere und macht ihm klar, dass seine Freiheit ihm nicht ganz gehört. Das Wiederauftauchen von Michiyo zwingt ihn, seine Haltung als bloßer Beobachter des Lebens aufzugeben. Das Werk beschreibt schrittweise Daisukes Weg von der Selbstanalyse über Unterdrückung und Annäherung bis zum Eingeständnis seiner Gefühle. Als er sich schließlich für Michiyo entscheidet, endet die Geschichte nicht in einem romantischen Sieg, sondern zeigt, wie er im Begriff ist, von Familie und Gesellschaft abgeschnitten zu werden. Diese Geschichte erfordert keine tiefen Literaturkenntnisse; man muss nur den Entscheidungen, dem Zögern und dem Schweigen der Figuren folgen, um zu spüren, wie die menschliche Verfassung unmittelbar greifbar wird.

Werk-Lexikon

Biografie des Autors: Natsume Sōseki ist ein repräsentativer Schriftsteller der modernen japanischen Literatur. Er lehrte Englisch an der Universität, bevor er seinen Beruf aufgab, um professioneller Romanautor zu werden. Er war mit westlichem Denken vertraut und wusste um die Konflikte, die entstehen, wenn Individualismus auf die japanische Familie und Gesellschaft trifft.

Beziehung zwischen Autor und Werk: „Sorekara“ ist Teil von Sōsekis früher Trilogie. Es knüpft an die jugendliche Orientierungslosigkeit in „Sanshirō“ an und führt zu den ethischen Konsequenzen in „Mon“. In Daisuke bündelte Sōseki seine Beobachtungen über den „höheren Müßiggänger“ (Kōtō Yūmin) und den geistigen Leerlauf der intellektuellen Schicht.

Moderne Analogie: Wie ein Stadtmensch mit akademischem Grad, gutem Geschmack und einem Sicherheitsnetz, der plötzlich entdeckt, dass das Leben, das er wirklich will, genau das ist, das ihn seinen Schutzschirm kosten wird.

Verlag
BookAI
Veröffentlicht
1909-01-01

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